Wir haben geschrieben. Und wie wir geschrieben haben. Mit glühender Stirn, kühlem Kopf und wund getippten Fingern. Wir haben recherchiert, analysiert, gewarnt. Wir haben erklärt, was kommen würde. Wir haben gezeigt, wie die Demokratie ausgehöhlt wird. Wie der Staat seine Bürger täuscht. Wie der Parlamentarismus zum Schauspiel verkommt.
Und gestern ist es passiert. Ein abgewähltes Parlament beschließt eine Verfassungsänderung. 1,7 Billionen neue Schulden. Durchgewunken mit 513 Stimmen. Kein Aufschrei. Keine Debatte. Keine Proteste. Nur betretenes Schweigen. Und wir stehen daneben. Mit geballter Faust in der Tasche.
Wir schreiben nicht mehr, weil wir glauben, etwas ändern zu können. Wir schreiben, weil es sonst keiner aufschreibt. Weil die Öffentlichkeit nichts mehr wissen will. Weil die Leitmedien nur noch abnicken. Weil der Rechtsstaat zuschaut. Und weil die Parteien durchregieren, als hätten sie nie ein Mandat gebraucht.
Was da gestern beschlossen wurde, ist keine technische Haushaltssache. Es ist ein Schlag ins Gesicht jedes Wählers. Es ist der Bruch eines politischen Versprechens. Es ist der Moment, in dem klar wird: Das Kreuz auf dem Wahlzettel ist nur noch Folklore. Der Wähler bekommt nicht das, was er bestellt hat. Er bekommt das, was gerade passt. Heute Tofu statt Schnitzel. Morgen Schulden statt Zukunft. Und übermorgen dann wohl Enteignung.
Wir haben davor gewarnt. Haben Vergleiche gezogen. Haben aufgeschrieben, was keiner hören wollte. Doch im Bundestag hat das niemand interessiert. Es hätte 31 Abgeordnete mit Rückgrat gebraucht, um diesen Wahnsinn zu stoppen. Am Ende waren es nur sieben. Von 730. Zu wenige.
Die größte Täuschung ist nicht das angebliche Sondervermögen. Sondern das System, das es ermöglicht. Das vorgibt, demokratisch zu sein. Und in Wahrheit von Parteikartellen gesteuert wird. Fraktionen stimmen durch, was ihnen vorgesetzt wird. Ohne Detailkenntnis. Ohne Gewissensprüfung. Alles läuft durch wie in der alten Volkskammer. Nur mit besserem Anzug.
Der Zorn vieler Autoren richtet sich aber nicht nur gegen das politische Personal. Sondern gegen das Volk selbst. Wo sind die Demonstrationen? Wo ist der Aufstand? Wo ist der Protest gegen diese gigantische Schuldenlawine, die unsere Kinder erdrücken wird? Stattdessen marschiert man weiter gegen rechts. Als gäbe es keine andere Gefahr.
Und so schreiben wir weiter. Nicht, weil wir noch hoffen. Sondern weil wir es dokumentieren wollen. Für später. Für die Zeit, in der man fragen wird: Wusste denn keiner, was hier passiert? Doch, man wusste es. Es wurde aufgeschrieben. Schwarz auf Weiß. Nur eben ignoriert.