Ein kasachischer Staatsangehöriger soll mindestens seit Mai 2025 systematisch für den russischen Geheimdienst spioniert haben — Ziele: Deutschlands Rüstungsindustrie, NATO-Konvois und potenzielle Sabotageobjekte.
Die Bundesanwaltschaft hat am 28. April 2026 in Berlin den kasachischen Staatsangehörigen Sergej K. festnehmen lassen, wie der Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof in einer Pressemitteilung berichtet. Beamte des Bundeskriminalamts vollstreckten einen Haftbefehl des Ermittlungsrichters des Bundesgerichtshofs vom 23. April 2026. Gleichzeitig wurden die Räumlichkeiten des Beschuldigten sowie einer nicht tatverdächtigen Person durchsucht.
Sergej K. steht im dringenden Verdacht, für einen ausländischen Geheimdienst tätig gewesen zu sein — konkret: für Russland. Laut Haftbefehl stand er spätestens seit Mai 2025 von Deutschland aus in fortlaufendem Kontakt zu einem russischen Geheimdienst und übermittelte seinem Führungsoffizier regelmäßig Informationen unterschiedlicher Art. Darunter Angaben über die militärische Unterstützung Deutschlands für die Ukraine sowie über die deutsche Rüstungs- und Verteidigungsindustrie — mit besonderem Fokus auf Unternehmen, die Drohnen und Roboter entwickeln.
Besonders heikel: Sergej K. soll wiederholt Fotos von öffentlichen Gebäuden in Berlin sowie von militärischen Konvois auf deutschen Autobahnen weitergeleitet haben — darunter der Konvoi eines NATO-Staates. Darüber hinaus informierte er seinen Kontaktmann über geeignete Sabotageobjekte in Deutschland und bot an, weitere Personen für eine Sabotage- und Spionagetruppe zu rekrutieren.
Der Vorwurf stützt sich auf § 99 Abs. 1 Nr. 1 StGB — geheimdienstliche Agententätigkeit — auch in Verbindung mit dem neu eingeführten § 1 Abs. 1 Nr. 4 NTSG, dem Gesetz über Nachrichtendienste. Am heutigen 29. April 2026 wird Sergej K. dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt, der den Haftbefehl eröffnen und über die Untersuchungshaft entscheiden wird.
Der Fall reiht sich ein in eine wachsende Serie von Spionage- und Sabotageermittlungen, die deutsche Sicherheitsbehörden in den vergangenen Monaten beschäftigen — und er zeigt einmal mehr, dass Russlands Nachrichtendienste auch Staatsangehörige aus dem postsowjetischen Raum als Mittelsmänner nutzen, um unter dem Radar westlicher Gegenmachnahmen zu operieren.



