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Foto statt Untersuchung: Kinderarztpraxis schickt kranke Kinder weg – nach Bild-Diagnose per E-Mail

Eine Kinderarztpraxis irgendwo in Deutschland verlangt von Eltern, am Empfangstresen ein Foto ihres kranken Kindes zu machen und es per E-Mail an die Ärztin zu schicken. Die Medizinerin sitzt irgendwo hinter einem Bildschirm, begutachtet das Bild und gibt der Medizinischen Fachangestellten Anweisungen – eine persönliche Untersuchung findet nicht statt. Das schildert die Hebamme und Autorin Livia Clauss (@LiviaClauss) in einem viel beachteten Thread auf X, der über 60.000 Mal aufgerufen wurde.

Clauss zögerte nach eigenen Worten lange, den Vorfall öffentlich zu machen. Zu ungeheuerlich erschien ihr das Vorgehen. Was sie dann schildert, ist noch drastischer: Mindestens zwei Kinder wurden nach der Foto-Ferndiagnose mit dem Bescheid weggeschickt, sie hätten „nichts“. Beide mussten kurze Zeit später stationär ins Krankenhaus aufgenommen werden. Trotzdem wurden die Krankenkassenkarten brav durchgezogen – Leistung abgerechnet, Kind weggeschickt.

Das Perfide daran: Die betroffenen Familien können auch nicht einfach die Praxis wechseln. Wer formal schon „eine Praxis hat“, wird von anderen Kinderärzten nicht mehr aufgenommen. Das System schließt sich selbst gegen Konsequenzen ab.

Clauss, die täglich an der Basis des Gesundheitswesens arbeitet, findet klare Worte: „Dieses GKV-System ist so verrottet, da verändert sich auch die Medizin. Die glotzen alle nur noch auf ihren Bildschirm und machen sich null Gedanken um ihre Patienten. Die sind ihnen scheißegal.“ Ihre Forderung: Ende des GKV-Systems in seiner jetzigen Form und ein scharfes Medizin-Haftungsrecht.

In den Kommentaren fordern viele Nutzer eine sofortige Meldung an die Ärztekammer. Andere weisen auf das Datenschutzproblem hin: Eltern werden faktisch gezwungen, Fotos ihrer kranken Kinder per E-Mail an eine Praxis zu senden – ohne informierte Einwilligung, ohne DSGVO-Aufklärung, unter dem Druck, sonst gar keine Versorgung zu bekommen. Wieder andere vermuten schlicht wirtschaftliches Kalkül: maximaler Abrechnungsertrag bei minimalem Aufwand.

Der Fall ist symptomatisch. Überlastung, Ärztemangel und Digitalisierungswahn werden inzwischen routinemäßig als Entschuldigung für Versorgungsqualität auf Sparflamme vorgeschoben. Was hier beschrieben wird, ist jedoch kein Ausreißer unter Druck – es ist ein etabliertes Praxisverfahren, das so konzipiert wurde. Die Ärztin ist nicht überarbeitet. Sie ist schlicht nicht da.


Quellen:

  1. Livia Clauss (@LiviaClauss) auf X, 2. Mai 2026

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