Reul zum medialen Abschuss freigegeben – der WDR macht den Anfang

Der WDR hat den NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) ins Visier genommen. Das Magazin Westpol hat nach eigenen Angaben mit mehr als 20 Personen aus dem Innenministerium und der Polizei gesprochen – und präsentiert das Ergebnis pünktlich zum Sonntagabend als politische Bombe: Reul sei beratungsresistent, selbstherrlich, und wer widerspreche, werde kaltgestellt. So zumindest die Lesart, die der öffentlich-rechtliche Sender seinen Zuschauern servieren will.

Konkret geht es um einen Streit um ein Polizeigelände in Wuppertal. Fachleute im Ministerium hatten Mietforderungen des landeseigenen Bau- und Liegenschaftsbetriebs als überzogen eingestuft – Reul übernahm die Verhandlungen selbst und erklärte seine eigenen Experten kurzerhand für unzuständig. Dass danach Mitarbeiter die Abteilung wechselten und dem zuständigen Gruppenleiter Kompetenzen entzogen wurden, werten Kritiker als Disziplinierungsmaßnahme. Reul weist das zurück: „Hier im Haus gibt es keine Repressalien.“

Dazu gesellt sich ein schwelender Konflikt mit Staatssekretärin Daniela Lesmeister, die in Medienberichten als Gegnerin des Ministers dargestellt worden sein soll. Mehrere Gesprächspartner sprechen dem WDR gegenüber von einer gezielten „Schmutzkampagne“ gegen sie. Reul dementiert jede Beteiligung.

Zweiter CDU-Minister in NRW unter Beschuss

Das ist kein Zufall in der Chronologie: Erst im März 2026 wurden Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) von Mitarbeitern Mobbingvorwürfe gemacht – ebenfalls medial verbreitet, ebenfalls mit internen Quellen. Das Muster ist dasselbe. Ob hinter diesen Enthüllungen politisches Kalkül steckt – Stichwort NRW-Landtagswahl in knapp einem Jahr –, fragt der WDR naturgemäß nicht.

Reul ist laut aktuellen Umfragen der beliebteste Politiker in NRW. Genau das macht ihn zum lohnenden Ziel: Wer ihn beschädigt, beschädigt die CDU dort, wo sie stark ist. Die Frage, ob der Innenminister eine dritte Amtszeit anstrebt, ließ Reul im Interview offen – formal korrekt mit Verweis auf Wahl und Ministerpräsidenten, faktisch aber ohne klares Dementi.

Was bleibt: Ein öffentlich-rechtlicher Sender baut aus anonymen Aussagen und internen Unterlagen eine Kampagnengeschichte gegen einen amtierenden Minister – weniger als ein Jahr vor der Wahl. Die Qualität der Vorwürfe mag diskutabel sein. Das Timing ist es nicht.

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